Marianne Engel «Forst»


7. September bis 21. November 2010 (verlängert)



Für die Künstlerin Marianne Engel ist der Wald einer der bevorzugten Aufenthaltsorte. Auf nächtlichen Streifzügen findet sie im Dickicht Motive für ihre Fotografien. In diesen lässt sie eine normalerweise verborgene, vielleicht aber doch allgegenwärtige Wirklichkeit aufscheinen: Im fahlen Mondlicht werden knorrige Äste zu magischen Wesen und das Wasser in einem Bächlein zu flüssigem Blei. Der Fliegenpilz ist so schön, dass man versucht ist, nach ihm zu greifen und die Schlammkruste auf einer Pfütze glimmt verheissungsvoll wie ein fernes, unbekanntes Land.   

Statt wie bislang dem Überwirklichen mit der Kamera nachzuspüren und im Ausstellungsraum Fotografien zu präsentieren, hat Marianne Engel für ihre Ausstellung "Forst" den ganzen Kunstraum in eine von Magie durchdrungene Waldlandschaft verwandelt. Marianne Engel hat Fundstücke aus dem Wald mit fluoreszierenden Pigmenten bearbeitet. Die mineralischen Farben glimmen grünlich, gelblich oder bläulich nach; die riesenhaften Pilze, die aus dem Kunstboden spriessen, verströmen eine hyperreale Schönheit.  

Man könnte diesen Raum mit einem animierten Filmset vergleichen. Nur, statt den Film aus der Tiefe des Kinosessels mitzuverfolgen, finden sich die Ausstellungsbesucher in der Rolle der Protagonisten wieder. Es sind die eigenen Füsse, die beim Gehen knirschen und es ist der eigene Atem, der sich mit dem Knacken, Klirren und Zirpen im Raum verbindet. Das ist nicht dreidimensionales Kino, sondern reale Erfahrung. Reale Erfahrung, die aber nicht Alltag ist, sondern – durch die Erscheinungshaftigkeit der fluoreszierenden Objekte übersteigert –  irreale, ja sogar magische Untertöne erhält. 

Diese aufgeladene Atmosphäre ist jedoch nur die eine Seite des Erlebnisses in Marianne Engels Installation. Denn das fluoreszierende Pigment muss mit Licht "gefüttert" werden. In regelmässigen Abständen, voraussichtlich jede halbe Stunde, wir der Raum während rund fünf Minuten mit hellen Lampen geflutet. Wer den Raum in dieser Zeit betritt, erlebt den Märchenwald gewissermassen backstage: im Licht ist alle romantische Anmutung weg. Die Endlosigkeit des dunkeln Raumes ist der Fassbarkeit des Raumkubus gewichen.  

 

Marianne Engel ist 1972 geboren. Sie lebt und arbeitet im aargauischen Mandach und in Zürich. Erst nach einigen Semestern Kunstgeschichte und einem Studium der Biochemie, das sie 2001 abschloss, hat sie sich definitiv für die Kunst entschieden. Nach einer Reihe von Ausstellungen in Off Spaces und Galerien hat sie 2008 den Robert Mondavi Prize gewonnen. Ein Jahr später durfte sie ein Cahier d'artiste realisieren. Die Ausstellung "Forst" im Kunstraum Baden ist ihre erste Einzelausstellung in einer öffentlichen Institution. Sie wird von Kunstraumleiterin Claudia Spinelli kuratiert und ist für alle Altersstufen geeignet.  

In ihrer ersten Woche ist "Forst" Teil des Programmes von Fantoche, internationales Festival für Animationsfilm, dessen thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr das Märchen ist.  


Sound Design: Christian Kuntner

Technik: Willy Rogger 

Dank an Flamencos en route und Construktive Holzbau AG, Stadtforstamt und Werkhof Baden 

Unterstützt durch Aargauer Kuratorium, Ernst Göhner-Stiftung, Fantoche, internationales Festival für Animationsfilm, Baden